Gute Zeiten – Schlechte Zeiten

Früh bin ich von Budva aufgebrochen, merkte allerdings schon nach einigen Metern, das das rechte Knie bald streikt und sich schon mit Schmerzen äußert. Ich habe es noch ein wenig probiert, aber es ging einfach nicht mehr. Nach 20 km war ich in der nächsten Ortschaft und habe mich für den Bus entschieden. Immerhin bin ich noch bei Sveti Stefan vorbeigefahren – dort hat Bobby Fischer 1992 gegan Boris Spasski Schach gespielt – und konnte ein Foto machen.

SvetiStefan.jpg

Ärgerlich ist das mit dem Knie trotzdem. Immerhin Bus fahren mit Brompton ist einfach, zweimal umsteigen und ich war schon in Tirana. Und bei dem starken Regen war es an diesem Tag dann doch die erste Wahl.

Ein schönes Hostel, mit „Urban Gardening“, und Wohlfühlräumen mit Kamin und Musikinstrumenten. Viele Gäste hatte es noch nicht, aber die meisten waren Radfahrer, entweder auf dem Weg nach Istanbul, oder von Istanbul kommend, und man konnte Geschichten austauschen, zum Beispiel über Bora in Kroatien, und die Hunde an den Straßen in Albanien und Griechenland.

Zwei Tage war ich bis auf kleine Spaziergänge in der Stadt faul. Tirana hat einen schönen Markt und insgesamt ein fast schon orientalisches Straßenleben. Das Stadtbild prägen meist zerfallende Balkanhäuser und -Villen und zeugen von viel besseren vergangenen Zeiten. Riesige Boulevards und dazwischen verfallende Plattenbauten weisen auf die Zeit der Diktatur im letzten Jahrhundert. Endlich „echte“ Balkanküche, und die soweit besten Bureks an allen Straßenecken.


Mit dem Bus fahre ich weiter nach Prizren im Kosovo. Nordalbanien ist bergig und spürbar kälter als Tirana.

Nach Kosovo

Prizren überrascht. Die Stadt hat kaum Tourismus, im Zentrum fahren auf den alten Kopfsteinpflasterwegen keine Autos. Die Menschen flanieren bei gutem Wetter durch die Straßen und überschauen vom Fort die ganze Stadt und die noch schneebedeckten Berge. Viele Cafés und Restaurants laden durch ausgefallenes Interieur ein. Ich sitze ihier in der „Vintage-Bar“, in der neben leckerstem Kaffee auch Pizza serviert wird. An den Wänden Hängen antike Radios, Uhren und Fotoapparate. Wlan hat sowieso jedes Lokal.

Es sei sehr friedlich, trotzdem gibt es immer noch KFOR-Soldaten, auch in Prizren habe ich welche gesehen. Vor dem Kosovo-Krieg gab es Unterdrückung der albanischen Bevölkerung, so wurde ihnen zum Beispiel weiterführende Bildung verwehrt, dazu jahrelange gegenseitige Gräueltaten seit den 90ern. Die meisten der vor dem Krieg vertriebenen Albaner sind längst in den Kosovo zurückgekehrt, etwa 200000 Serben sind aus dem Kosovo geflüchtet. Die Gesellschaft ist homogener geworden. Die letzten schweren Pogrome gegen Serben liegen mehr als 10 Jahre zurück. Es gibt Bill Clinton Statuen, und Straßen in Pristina sollen nach amerikanischen Präsidenten benannt sein. Weiter nachzufragen traue ich mich dann doch nicht, es ist wie es ist, warum sollte ich auch irgendetwas besser wissen.

Auf nach Montenegro

Bin heute sehr früh aufgebrochen in Dubrovnik, das Knie zwickt immer noch ein wenig, aber noch einen Tag wollte ich nicht bleiben, zumal ich gestern Staffel 4 von House of Cards durchgeschaut habe. Am Übergang nach Montenegro wollten die kroatischen Grenzbeamten den gesamten Inhalt meines Rucksacks sehen. Das hat mich etwas genervt, zumal ich das Gefühl hatte, dass sie das aus Langeweile taten.

Unterwegs hatte ich dann in Montenegro immer wieder leichter Regen, aber auch Kaffeepausen und entspannte Blicke auf Himmel und Meer.

IMG_20160322_172433.jpg

In Budva standen 89 km auf dem Tacho und eine neue Spitzengeschwindigkeit!

 

Obwohl es noch nicht mal 14 Uhr war, beschloss ich, hier in der alten Stadt für eine Nacht zu bleiben. Bin der einzige Gast im Hostel. Es wird in der ganzen Stadt gemalt und gebaut für die Touristen, die bald kommen. Trotzdem ist es angenehm ruhig, die Katzen mögen mich und manche Cafés sind sogar geöffnet.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Alle Wetter

Der Wind nahm am Montag nachmittag etwas ab, dass wir zu viert die Weiterfahrt wagten, auch weil kein Bus fuhr, der uns aus dem Sturmgebiet herausgefahren hätte. Am Ende waren es 55 km, mehr Balancefahrt in den Böen, als körperlich herausfordernd. Übernachtung in Karlobag, verschlafen wie alles in der Vorvorsaison.

Gestern dann echtes Radreisewetter, Sonne und Windstille, 110 km geschafft. Platz zum Campem im Olivenhain gefunden. Der Bauer war einverstanden – toller Tag. Und die Pasta schmeckte wie Pasta nach einem Radfahrtag eben schmeckt.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Heute dann endlich mal Regen, Die Entscheidung zu weiteren 100 km und vielen Höhenmetern war schon gefallen, bevor ich richtig nass wurde. Gut, eine Radbegleitung wie Cyril aus Grenoble zu haben, der einen antreibt, wenn die Beine schmerzen. Letztendlich in Split angekommen, Warmshower-Übernachtung in einem leerstehendem Haus und ohne fließendes Wasser. Warm und Shower noch mal verschoben, was solls. Morgen soll die Sonne scheinen, muss die Jacke mit dem trocknen noch warten. Nebenbei, neues Speed Maximum: 56 km/h!

Gestrandet in Sveti Juraj

Einzelne Windböen bremsten gestern bereits den Vorwärtsdrang, dass nach 73 km entlang der Küste die 2. Etappe bei Senj beendet war. Aber doch schon ganz schön weit gekommen.

Kroatien Erstes Camping dann bei kreischendem Wind, der nachts die Heringe aus dem Boden riss. Heute dann nach 5 km Fahrt Polizeikontrolle. Ich musste meinen Pass zeigen, dann informierten mich die Polizisten, dass die Straße gesperrt ist wegen „Bora“. Bora – das ist ein Fallwind an der kroatischen Küste. Alle sprechen hier darüber. Die Straßen sind manchmal tagelang gesperrt, so heute auch, morgen vielleicht schon nicht mehr, entschieden wird von Tag zu Tag. Meinen Beinen tut das eigentlich ganz gut, der ganze Körper muss sich noch an längere Radeltage gewöhnen.


Hier in Sveti Juraj bin ich einer von 4 Radfahrern, die der Wind hierher geblasen hat, alle auf dem Weg nach Istanbul, Zentralasien und Pamir Highway.