Yerevan – Goris

2 Tage habe ich in Yerevan ausgeruht, Wäsche gewaschen und das Fahrrad gereinigt und ein wenig die Stadt angeschaut. Leider war das Wetter nicht optimal zum „Ararat Watching“, auch bei der Weiterfahrt durch das Aras-Tal konnte man den riesigen Berg nur im Dunst erahnen.


Khor Virap ist ein Kloster und besonders für die Nähe zum Ararat bekannt. Hier soll 301 das Christentum als Staatsreligion Armenien beschlossen worden sein und somit gilt es als wichtiges nationales Symbol von Armenien. Am Sonntag konnte ich hier eine orthodoxe Zeremonie besichtigen. Interessant mit Bühne und „Vorhang auf“. Und zumindest von den Mauern des Klosters herunter doch noch ein versöhnlicher Blick auf den Ararat.

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Kurz danach kam dann der erste Pass, ein Anstieg von 800m auf 2030m. Wunderbare Landschaften, Canyons und schneebedeckte Berge. In Areni habe man zuerst Wein angebaut, und alle Weinreben entstammen dieser Region. Der Wein ist so billig, dass den zu trinken gar keine Sünde sein kann. Dazu kaufe ich Brot, Frischkäse und Honig an den Straßenständen. Es ist wunderbar warm und das Radfahren macht trotz der ständigen Anstiege Spaß. Abends finde ich immer einen Platz für mein Zelt.

Am 3. Tag kommt es dann mal wieder zu einem Travellertreffen auf der Straße, ein „Heimkehrer“ aus Portugal erzählt mir, dass eine weitere Gruppe von 4 Radfahrern auf dem Weg nach Iran nur 2 Stunden voraus ist, zwei Deutsche mit eiem Oldtimer unterwegs, sind auf einer Eurasientour und wissen eigentlich noch nicht, wohin. Ist also weiter viel touristischer Betrieb auf den Straßen des Kaukasus.

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Am Nachmittag zieht dann nachträglich betrachtet nicht überraschend ein Gewitter auf, und zwar in Sekundenschnelle. Mit dem ersten Wasserschwall schaffe ich noch die Zeltplane über meinen Kopf zu ziehen, und kann mich vor dem kurz danach einsetzenden Hagel ganz gut schützen, mein Gepäck ist allerdings schon nach Sekunden durchnässt. Das bereits klitschnasse Zelt kann ich in einer kurzen Regenpause aufbauen.

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Es bleibt mir nichts übrig, als zu warten, klitschnasse Klamotten durch feuchte auszutauschen, und allmählich zu realisieren, dass ich auf einer Hauptroute der Schaf- und Rinderhirten campiere, 2mal stehe ich inmitten einer Herde von Tieren, auf dem Weg zur Nachtruhe in den Ställen im Tal.

Nicht weit entfernt auf der anderen Seite der Straße patroullieren Panzer, den Abend und in der Nacht Artelleriefeuer in der Ferne – ob das Manöver sind, oder Bergkarabachkonflikt, weiß ich nicht. Am nächsten Morgen wache ich in einer Wolke oder Nebel auf, das Zelt ist weiter nass, zuerst gebe ich dem Wetter etwas Zeit, nach zwei Stunden, und einer Rinder- und einer Schafherde später beschließe ich dann doch aufzubrechen, Ziel Guesthouse oder Hotel in Goris – 25km entfernt. Mittlerweile regnet es auch wieder, und ich habe vor der langen Abfahrt nach Goris auf 1350m noch einen Pass auf 2150m Höhe zu erklimmen. Ich habe bei Ankunft in Goris Waschfrauenhände und jeder Schritt in den Schuhen fühlt sich an, wie durch einen Sumpf zu waten. Doch ich finde das netteste Bed&Breakfast von ganz Armenien. Die Dusche ist heiß, die Besitzerin wäscht meine Kleider, das Brompton bekommt eine trockene Garage und ich kann mein Zelt trocknen. So kann ich gemütlich im Trockenen dem Regen zuschauen und überlegen, wie/wann ich weiterfahre. Noch ca 150km und 2 Pässe bis zur Iranischen Grenze und vielleicht ist das der letzte Internetspot im Kaukasus.

Ein Gedanke zu “Yerevan – Goris

  1. makelist Mai 19, 2016 / 5:18 am

    Du schreibst immer von den Anstiegen – wie sind denn die Abfahrten? Hab es dreimal nachgerechnet, du müsstest doch auch immer wieder irgendwann runterfahren. Und wie warm ist es nachts? Schöne letzte Tage vorm Iran!

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