Pferdefestival in Kirgistan

Am 30.7. fanden am Tulparkol-See in der Nähe von Sary Mogul Yak- und Pferdespiele statt. In der Gegend befinden sich außerdem die Basecamps für Gletscher- und Gipfeltouren in das Peak-Lenin Massiv. Zusammen mit den Schweizerinnen Rut und Aita, die ich auf dem Pamir-Highway getroffen habe, fuhren wir nach Sary Mogul, ein Dorf, das Ausgangspunkt für Touren in die Berge der Umgebung ist. Wir übernachten ihier bei einem tollen Homestay (Abdumalik Guesthouse). Es gab Plov zu Abend, dazu wieder Stutenmilch und leckere Pfannkuchen zum Frühstück. Am nächsten Morgen fuhren wir wieder in die Berge an den See. Für mich war das Festival ein sehr schöner Abschied von Zentralasien, denn die Straße führt nun weiter nach China.

Yaks am See:

Pferdespiele:

Peak Lenin (7134m):

Pamir Highway von Murghab bis Sary-Tash

In Murghab teilt sich die Straße, und die LKWs nehmen nach China eine alternatve Route, dass die M41 den Radlern und den Touristen in Jeeps gehört, die Radfahrer sind deutlich in der Überzahl. 75 km nach Murghab ist der Ak-Baital-Pass, mit 4655 Metern der höchste Pass des Pamir Highways. Die Piste ist um die Passhöhe mal wieder schlecht, und ich schiebe mehr als dass ich fahre. Hinter dem Pass wunderschöne Pamirberge, die für die schlechte Straße entschädigen.

Der nächste Tag beginnt erst mal wieder it Waschbrett-Piste über 15 Kilometer. Immerhin keine Anstriege, und bis zum wunderschönen Karakul-See geht es überwiegend bergab. Die Winde sind inzwischen wieder gegen mich, aber ich versuche mich nicht zu sehr ärgern zu lassen. Im Karakul, einem kleinen Ort am See, streffe ich eine Gruppe vo Radfahreren wieder (England, Schweiz und USA), und ich fahre mit den Schweizerinnen weiter auf der Suche nach einem Zeltplatz in der Nähe des Sees.


Am nächsten Tag nehmen wir gemeinsam die letzten Pässe in Angriff, nicht besonders steil, aber schon wieder Waschbrettpiste über einige Kilometer, darum dauert es mal wieder länger. Der letzte Pass lässt fast wehmütig werden, irgendwie war das alles sehr schön auf dieser besonderen Straße.

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Der letzte Pass

Kontrollen an der tajikischen Grenze sind völlig untypisch, nach wenigen Minuten hat man den Stempel, keine Taschenkontrollen, keine Kamera wird kontrolliert, kein unnötiges Ärgern der Reisenden. Bis zum kirgisischen Grenzposten sind es weitere 25 km, mittlerweile ist auch Rafael aus Deutschland in unserer Grupp und wir campen gemeinsam im Niemandsland zwischen Kirgistan und Tadschikistan. Auf einem Bauernhof kaufen wir Yakjoghurt (Yeah, das stand auf meiner Bucketlist!).

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Yakjoghurt

Die Abfahrt nach Kirgistan sind nicht so spektakulär wir die Blicke zurück auf die Tadschikischen Berge. Peak Lenin ist über 7400 Meter hoch, und auch die Nachbarberge sind mächtig. Mit der Einreise nach Kirgistan ändert sich die Landschaft: weiche und grüne Berge, im Tal eine weite Steppe mit Jurten und Pferden. In Sary-Tash kaufe ich Stutenmilch, wahrscheinlich zum letzten Mal…

Pamir Highway von Khorogh bis Murghab

Als Vorbereitung für die weiteren Etappen habe ich mit eine „Pamir-Highway-Playlist“ erstellt, um für alle Situationen die passende Musik zu haben.

Kräftig durch die Ruhetage in Khorogh und durch den Rückenwind komme ich am ersten Tag gut voran. Nach Verlassen der Stadt zeigen sich schon die ersten schneebedeckten Berge des Pamirgebirges.

Am Nachmittag halte ich an einem Kiosk für eine Belohnung, immerhin bin ich schon fast auf 3000 Metern. „Do you speak german?“, fragt mich eine junge Frau. Die Frau ist Deutschlehrerin in Duschanbe. Sie hat in Deutschland als AuPair gearbeitet. Ich werde von ihr zu ihrer Familie eingeladen, mich doch auszuruhen. In dem wunderschönen traditionellen Haus bekomme ich auf einem Teppich Tee, Brot und einen großen Aufschnittteller serviert, und ich bleibe ein paar Stunden bei der netten Familie.

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Merhabo und ihre Familie bei Khorogh

Am zweiten Tag merke ich die Höhe von 3000 Metern erst gar nicht und treibe mein Klapprad weiter Richtung Spitze der Berge. Gegen Mittag treffe ich zwei entgegenkommende Radfahrer auf dem Weg nach Europa. Sie empfehlen mir eine heiße Therme ganz in der Nähe – toller Tipp! Das Bad war wohl einmal Teil eines Sanatoriums in in alten Zeiten. Das Becken ist ca 3 mal 3 Meter groß, voll verkachelt mit einst weißen, nun grün schimmendern Kacheln. Das trübe Wasser ist heiß, dass man nicht einfach reinspringen kann. In dem sauerstoffarmen stickigen Raum riecht es nach Schwefel („Good for your health“ – oha). Leider habe ich keine Fotos von diesem liebevoll heruntergekommenen Ort, es war das Highlight des Tages! Und dank der heißen Dusche im Anschluss fühlte ich mich wirklich noch gesünder als vorher.

Auf 3900 Meter habe ich dann die Qualitäten des Spirituskochers überprüft. Erstaunlich wenig Probleme, nur das Kochen dauert länger – klaro, das ist einfache einfache Physik. Dadurch fällt allerdings die geringe Effektivität des Brennstoffes im Vergleich zu Benzin auf Dauer doch etwas ins Gewicht. Ich rechne noch mal nach, und denke, dass ich doch noch genug Spiritus bis Kirgistan mit mir trage. Die letzten Kilometer zum ersten Pass sind leider eine eklig steile Schotterpiste. Atemlos durch Höhe und Landschaft muss ich öfter schieben, und erreiche den Pass noch vor Sonnenuntergang. Nach Sauerstoff hechelnd schaffe ich zumindest ein Gipfelbild. Danach rolle ich langsam weiter auf der Suche nach einem Ort zum Verweilen für die Nacht, den ich auf einer schönen Wiese an einem Bach finde.


Am nächsten Morgen zerstören meine noch kalten und steifen Finger mein Feuerzeug: kein Kaffee, so ein Dreck. Immer noch nicht perfekt adaptiert an die Höhe spüre ich gleich auch ein leichtes Dröhnen im Kopf – da hätte der Kaffee gut getan. Ärgerlich außerdem, dass noch ca 25 km Schotterpiste vor mir liegen. Das mögen mein Falter und ich nicht besonders. Das sieht man uns wohl an. Ein Auto mit einer taschikischen Familie hält neben mir und fragt, ob alles ok sei, ob sie mich mitnehmen wollen. Das kann ich natürlich nicht annehmen, aber ich frage doch nach Streichhölzern oder einem Feuerzeug. Sie können mir hier erst nicht helfen, aber sie versprechen, Streichhölzer zu besorgen und einem mir entgegenkommendem Auto mitzugeben. Klingt super, bei ca einem Auto pro Stunde, dass hier vorbeikommt, würdige ich die nette Geste der Familie, vertraue aber doch eher dem Laden, der hoffentlich nach 30 Kilometern kommt. Keine 30 Minuten später hält ein LKW, ich signalisiere ihm, dass er weiterfahren kann, aber der Fahrer will noch nicht weiterfahren. Er steigt aus und reicht mir eine

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Was für ein tolles Geschenk

Flasche Wasser und eine Packung mit 4 Streichhölzern. Nach Erreichen des Asphalts feiere ich das dieses wunderbare Geschenk mit doppelter Tütensuppe und echtem schwarzen heißen Kaffee – lecker!

 

 

Die Hochebene des Pamir besteht aus riesigen langgestreckten Tälern, die karg und trocken oder saftig grün sein können. Man muss sich hier mal wieder kräftiger an den wenigen Wasserquellen eindecken. Läden gibt es nicht, ich trage Essen für mehrere Tage mit mir.

Die Hochebene gehört hier übrigens den Murmeltieren, nette Tierchen mit sicherlich sehr flauschigem Fell. Mit denen würde ich gerne Freundschaft schließen. Leider haben sie Angst vor mir (generell vor Radfahrern, wie ich gehört habe), pfeifen immer ganz schrill, wenn ich komme und verkriechen sich dann in ihren Höhlen. Ein paar Fotos kann ich trotzdem machen. Es gibt auch erste Jurten, und ich sehe Yaks und Sehnsucht nach vergorener Stutenmilch und Yakjoghurt kommt auf. Am Abend stelle ich mein Zelt neben dem Zelt eines jungen Engländers auf, um am nächsten Morgen gemeinsam nach Murghab zu radeln.


Kaffee am Morgen wurde fast wieder zum Problem, weil ich all die Wasservorräte in der Nacht aufgebraucht habe. Ein LKW-Fahrer auf dem Weg nach China ist jedoch gnädig, er hält, als ich am Straßenrand kräftig mit meiner Wasserflasche winke und füllt diese bis zum Rand auf. So geht es gestärkt nach Murghab. Der Rückenwind bläst uns in das Tal, gegen mittag haben wir schon 72 km absolviert. Wunderbares Wetter, tolle Straßen!

Wir checken ein im Pamir Hotel – das machen alle Radfahrer so und lassen uns verköstigen mit traditionellen Speisen – so schlecht die die zentralasiatische Küche doch gar nicht! Ich beschließe, hier einen weiteren Ruhetag einzulegen – eigentlich hatte ich 6 Tage bis Murghab veranschlagt, jetzt bin ich schon nach 3einhalb Tagen da. Am Ruhetag kaufe ich mir eine Yakwolltasche und werte die „Pamir-Highway-Playlist“ aus. Meine Top-5: 1. Guaranteed (Eddie Vedder), 2. Weit Hinaus (Feine Sahne Fischfilet), 3. One (Johnnie Cash), 4. Bella Ciao (Hannes Wader), 5. La fin de leur monde (Iam)

 

M41 – 1.Teil

Die M41 ist die internationale Fernstraße, die auch als Pamir Highway bekannt ist. Als Highway wurde die Straße in der Sowjetzeit ausgebaut, und war seit dieser Zeit zwischen Duschanbe und Osh in Kirgistan überwiegend asphaltiert. Die M41 dient heute vor allem chinesischen Trucks als Handelsroute zwischen China und Usbekistan.

Seit vielen Jahren gibt es zur M41 zwischen Duschanbe und Khorogh eine alternative Südroute, die der Fernverkehr benutzt. Ein Paradies für Radfahrer ist darum die Nordroute: wenig Verkehr, keine Tunnel etc. denkt man sich. Diese nördliche Route ist allerdings im ersten Abschnitt sehr vernachlässigt: Risse und Schlaglöcher in noch schlecht asphaltierten Abschnitten und und grobe und feine Schotterpistenabschnitte machen die Strecke vor allem für Radfahrer zu einem Härtetest für Material und Moral. Der Zustand der Straßen ersetzt darum auch im Smalltalk mit anderen Radfahrern alle anderen sonst bekannten Themen wie Wind, Steigungen und Truckverkehr.
Ich fahre am 9.7. gemeinsam mit Daniel aus Österreich in Duschanbe los. Nachdem wir uns schon bei Tabris und Mashhad im Iran, später in Bukhara und nun in Duschanbe getroffen haben, beschließen wir gemeinsam Richtung der tadschikischen Berge zu starten. Daniel interessiert sich besonders für Landminenprojekte entlang seiner Route und ist ein sehr sportlicher Fahrer. Wir fahren besonders am ersten Tag sehr schnell. Allerdings trennen wir uns am 4. Tag, weil ich schließlich doch nicht so ganz mithalten kann.

Kurz nach Duschanbe wurde es schon bergiger, entlang der Flusstäler geht es stetig bergauf.

Am Tag 4 dann der erste Pass über 3200 Meter. Ab 2800m merke ich doch die Höhe, die Atemfrequenz entspricht doch nicht mehr ganz der körperlichen Anstrengung – ich fahre ganz langsam. Auf der Passhöhe mache ich Pause und beschließe, ein nächtliches Höhentraining zu absolvieren, und finde einen Campingplatz auf 2800m Höhe. Es ist die einzige gute Campingmöglichkeit, dass sich insgesamt 6 Radfahrer an der gleichen Stelle einfinden: eine Gruppe Engländer und ein Australier auf dem Weg nach Usbekistan. Wir kochen Pasta und stellen fest, dass wir alle keine Ahnung haben, wer denn eigentlich die Fußballeuropameisterschaft gewonnen hat. Immerhin kann ich mitteilen, dass Froome bei der Tour de France mittlerweile in Gelb fährt. In der Nacht kann ich das erste mal seit 2 Monaten meinen Schlafsack benutzen, und die angenehme Kühle lässt mich länger als gewohnt schlafen, auch weil die Berge Schatten spenden, und das Zelt auch um 8 Uhr früh noch keiner Sauna gleicht.

Am nächsten Morgen geht es auf 1300m runter, und bei ständig angezogenen Bremsen pausiere ich zweimal, um die Felgen zu kühlen, mein Vertrauen in die Felgenbänder der 16 Zoll Reifen ist leider immer noch nicht ganz wiederhergestellt. Im Tal erreiche ich den Panj-Fluss, und habe einen ersten Blick auf Afghanistan. Die M41 führt am Panj bis nach Khorogh, die Sicht ist leider zunehmend trübe durch Staub in der Luft. Campingplätze sind rar, aber ich darf einmal bei einer Gruppe Landminenarbeiter im Garten schlafen und werde sogar zu Abendbrot und Frühstück eingeladen. Tagsüber bediene ich mich an den reich bestückten Aprikosenbäumen, die fast überall wachsen und oft keinem gehören.


Nach 7 Tagen erreiche ich Khorogh, auf den letzten Kilometern musste ich mich selbst ein wenig aufmuntern mit Schokoriegeln und Cola. Auf den Ruckelpisten ist es doch anstrengend zu fahren, und ich merke in Khorogh, wie fertig ich eigentlich bin, und die hohen Berge des Pamir-Gebirges kommen eigentlich erst noch.

Richtung Pamir Highway

Samarkand
Start bei Sonnenaufgang in Samarkand

Samarkand-Duschanbe

Nach Ruhetagen in Samarkand mit deutschem Fernsehen und Fußball schauen wollte ich zum Halbfinalspiel in Duschanbe sein. 500km, kein zu anstrengendes Profil. Bei tollem Wetter konnte ich sportlich fahren und habe am ersten Tag sogar einen neuen Tages-Kilometer-Rekord aufgestellt (ok, es ging bergab und ich hatte kontinuierlich Rückenwind). Der Fahrradcomputer wurde mir leider kurz danach geklaut. Ich verbuche das nach 1 Stunde ärgern unter „Befreiung vom Überfluss“, außerdem gibt es GPS und Smartphoneapps.

Der Osten von Usbekistan war dann landschaftlich abwechslungsreich und spannend, mit natürlichen Flüssen (keine Bewässerungskanäle mehr) und ersten Hügeln vor den großen Bergen, die bald kommen.

Während ich die Landschaft genoss, habe ich mich mit Musik auf den Ohren meist von den Autos abgekapselt. Die Autos in Usbekistan haben keine Bremse, sondern nur Gaspedal und Hupe. Das Hupen und Gas geben direkt neben dem Radfahrer ist sicher fast immer freundlich gemeint, anerkennend, oder drückt die Überraschung des Autofahrers aus – aber es nervt, weil wirklich jeder hupt und ich mich gezwungen sehe, freundlich zurückzuwinken. In den Dörfern und Städten ist das Fahren angenehmer, ich kann leider nicht jede Einladung zum Gespräch annehmen, denn jeder im Dorf will wissen woher ich komme, warum das Fahrrad so klein ist und wohin es noch gehen soll. Aber manche Einladung habe ich angenommen, und aus einem Gespräch sind schöne Stunden auf einer Datscha einer usbekischen Familie geworden. In Ost-Usbekistan gibt es auch wieder Hunde, die blöden Fahrradhasser auf vier Beinen, die Balkan und Türkei regiert haben und im Iran und in Turkmenistan wohl seit geraumer Zeit ausgestorben sind. Tatsächlich hat mich ein Biest attackiert und in meinen Rucksack und mein Zelt gebissen – die Narbe wird dort ewig bleiben. Ein anderer Hund hat mich nicht aus dem Zelt gelassen, bis ich ihm das Brot, dass ich am Vortag geschenkt bekommen habe, überlassen habe.  

Und letztendlich habe ich am vierten Tag kurz hinter Denov in Usbekistan die Fernstraße M41 – den „Pamir Highway“ erreicht! Und habe sogar einen Tag früher Duschanbe erreicht.

Samarkand-Duschanbe (15)
M41 – Fast am Ziel der Reise!

Entlang der Seidenstraße

Karawanserei Robat e-Sharaf (Nordiran):

Das war ein Highlight, mitten in der Wüste gelegen, etwa 60 km vor der turkmenischen Grenze, keine weiteren Touristen in dieser sehr gut erhaltenen Karawanserei von 1115. Ein Brunnen im Zentrum der Karawanserei garantierte die Versorgung für Tiere und Menschen nach langen Tagen in der Wüste.

Bukhara (Usbekistan) ist eine gut erhaltene alte Stadt im Süden des Landes, lange Zeit das Handelszentrum der Seidenstraße.

Ländliches Usbekistan:

Samarkand (Usbekistan) hat ebenfalls eine lange Geschichte. Samarkand wurde schon von Alexander dem Großen erobert, der die Schönheit gepriesen hat. Die Stadt ist an der Kreuzung zwischen Indien, Persien und China gelegen und war das Seidenstraßenzentrum vom 6. bis 13. Jahrhundert, bis die Stadt von Dschingis Khan erobert wurde.  Ab dem 15. Jahrhundert wurde Samarkand wiederentdeckt und Wissenschaftszentrum der gesamten Region. Heute ist das Zentrum  der Stadt ein riesiges Museum und wichtige Pilgerstätte der Zentralasien-Touristen.