M41 – 1.Teil

Die M41 ist die internationale Fernstraße, die auch als Pamir Highway bekannt ist. Als Highway wurde die Straße in der Sowjetzeit ausgebaut, und war seit dieser Zeit zwischen Duschanbe und Osh in Kirgistan überwiegend asphaltiert. Die M41 dient heute vor allem chinesischen Trucks als Handelsroute zwischen China und Usbekistan.

Seit vielen Jahren gibt es zur M41 zwischen Duschanbe und Khorogh eine alternative Südroute, die der Fernverkehr benutzt. Ein Paradies für Radfahrer ist darum die Nordroute: wenig Verkehr, keine Tunnel etc. denkt man sich. Diese nördliche Route ist allerdings im ersten Abschnitt sehr vernachlässigt: Risse und Schlaglöcher in noch schlecht asphaltierten Abschnitten und und grobe und feine Schotterpistenabschnitte machen die Strecke vor allem für Radfahrer zu einem Härtetest für Material und Moral. Der Zustand der Straßen ersetzt darum auch im Smalltalk mit anderen Radfahrern alle anderen sonst bekannten Themen wie Wind, Steigungen und Truckverkehr.
Ich fahre am 9.7. gemeinsam mit Daniel aus Österreich in Duschanbe los. Nachdem wir uns schon bei Tabris und Mashhad im Iran, später in Bukhara und nun in Duschanbe getroffen haben, beschließen wir gemeinsam Richtung der tadschikischen Berge zu starten. Daniel interessiert sich besonders für Landminenprojekte entlang seiner Route und ist ein sehr sportlicher Fahrer. Wir fahren besonders am ersten Tag sehr schnell. Allerdings trennen wir uns am 4. Tag, weil ich schließlich doch nicht so ganz mithalten kann.

Kurz nach Duschanbe wurde es schon bergiger, entlang der Flusstäler geht es stetig bergauf.

Am Tag 4 dann der erste Pass über 3200 Meter. Ab 2800m merke ich doch die Höhe, die Atemfrequenz entspricht doch nicht mehr ganz der körperlichen Anstrengung – ich fahre ganz langsam. Auf der Passhöhe mache ich Pause und beschließe, ein nächtliches Höhentraining zu absolvieren, und finde einen Campingplatz auf 2800m Höhe. Es ist die einzige gute Campingmöglichkeit, dass sich insgesamt 6 Radfahrer an der gleichen Stelle einfinden: eine Gruppe Engländer und ein Australier auf dem Weg nach Usbekistan. Wir kochen Pasta und stellen fest, dass wir alle keine Ahnung haben, wer denn eigentlich die Fußballeuropameisterschaft gewonnen hat. Immerhin kann ich mitteilen, dass Froome bei der Tour de France mittlerweile in Gelb fährt. In der Nacht kann ich das erste mal seit 2 Monaten meinen Schlafsack benutzen, und die angenehme Kühle lässt mich länger als gewohnt schlafen, auch weil die Berge Schatten spenden, und das Zelt auch um 8 Uhr früh noch keiner Sauna gleicht.

Am nächsten Morgen geht es auf 1300m runter, und bei ständig angezogenen Bremsen pausiere ich zweimal, um die Felgen zu kühlen, mein Vertrauen in die Felgenbänder der 16 Zoll Reifen ist leider immer noch nicht ganz wiederhergestellt. Im Tal erreiche ich den Panj-Fluss, und habe einen ersten Blick auf Afghanistan. Die M41 führt am Panj bis nach Khorogh, die Sicht ist leider zunehmend trübe durch Staub in der Luft. Campingplätze sind rar, aber ich darf einmal bei einer Gruppe Landminenarbeiter im Garten schlafen und werde sogar zu Abendbrot und Frühstück eingeladen. Tagsüber bediene ich mich an den reich bestückten Aprikosenbäumen, die fast überall wachsen und oft keinem gehören.


Nach 7 Tagen erreiche ich Khorogh, auf den letzten Kilometern musste ich mich selbst ein wenig aufmuntern mit Schokoriegeln und Cola. Auf den Ruckelpisten ist es doch anstrengend zu fahren, und ich merke in Khorogh, wie fertig ich eigentlich bin, und die hohen Berge des Pamir-Gebirges kommen eigentlich erst noch.

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