Pamir Highway von Khorogh bis Murghab

Als Vorbereitung für die weiteren Etappen habe ich mit eine „Pamir-Highway-Playlist“ erstellt, um für alle Situationen die passende Musik zu haben.

Kräftig durch die Ruhetage in Khorogh und durch den Rückenwind komme ich am ersten Tag gut voran. Nach Verlassen der Stadt zeigen sich schon die ersten schneebedeckten Berge des Pamirgebirges.

Am Nachmittag halte ich an einem Kiosk für eine Belohnung, immerhin bin ich schon fast auf 3000 Metern. „Do you speak german?“, fragt mich eine junge Frau. Die Frau ist Deutschlehrerin in Duschanbe. Sie hat in Deutschland als AuPair gearbeitet. Ich werde von ihr zu ihrer Familie eingeladen, mich doch auszuruhen. In dem wunderschönen traditionellen Haus bekomme ich auf einem Teppich Tee, Brot und einen großen Aufschnittteller serviert, und ich bleibe ein paar Stunden bei der netten Familie.

PAmir (3)
Merhabo und ihre Familie bei Khorogh

Am zweiten Tag merke ich die Höhe von 3000 Metern erst gar nicht und treibe mein Klapprad weiter Richtung Spitze der Berge. Gegen Mittag treffe ich zwei entgegenkommende Radfahrer auf dem Weg nach Europa. Sie empfehlen mir eine heiße Therme ganz in der Nähe – toller Tipp! Das Bad war wohl einmal Teil eines Sanatoriums in in alten Zeiten. Das Becken ist ca 3 mal 3 Meter groß, voll verkachelt mit einst weißen, nun grün schimmendern Kacheln. Das trübe Wasser ist heiß, dass man nicht einfach reinspringen kann. In dem sauerstoffarmen stickigen Raum riecht es nach Schwefel („Good for your health“ – oha). Leider habe ich keine Fotos von diesem liebevoll heruntergekommenen Ort, es war das Highlight des Tages! Und dank der heißen Dusche im Anschluss fühlte ich mich wirklich noch gesünder als vorher.

Auf 3900 Meter habe ich dann die Qualitäten des Spirituskochers überprüft. Erstaunlich wenig Probleme, nur das Kochen dauert länger – klaro, das ist einfache einfache Physik. Dadurch fällt allerdings die geringe Effektivität des Brennstoffes im Vergleich zu Benzin auf Dauer doch etwas ins Gewicht. Ich rechne noch mal nach, und denke, dass ich doch noch genug Spiritus bis Kirgistan mit mir trage. Die letzten Kilometer zum ersten Pass sind leider eine eklig steile Schotterpiste. Atemlos durch Höhe und Landschaft muss ich öfter schieben, und erreiche den Pass noch vor Sonnenuntergang. Nach Sauerstoff hechelnd schaffe ich zumindest ein Gipfelbild. Danach rolle ich langsam weiter auf der Suche nach einem Ort zum Verweilen für die Nacht, den ich auf einer schönen Wiese an einem Bach finde.


Am nächsten Morgen zerstören meine noch kalten und steifen Finger mein Feuerzeug: kein Kaffee, so ein Dreck. Immer noch nicht perfekt adaptiert an die Höhe spüre ich gleich auch ein leichtes Dröhnen im Kopf – da hätte der Kaffee gut getan. Ärgerlich außerdem, dass noch ca 25 km Schotterpiste vor mir liegen. Das mögen mein Falter und ich nicht besonders. Das sieht man uns wohl an. Ein Auto mit einer taschikischen Familie hält neben mir und fragt, ob alles ok sei, ob sie mich mitnehmen wollen. Das kann ich natürlich nicht annehmen, aber ich frage doch nach Streichhölzern oder einem Feuerzeug. Sie können mir hier erst nicht helfen, aber sie versprechen, Streichhölzer zu besorgen und einem mir entgegenkommendem Auto mitzugeben. Klingt super, bei ca einem Auto pro Stunde, dass hier vorbeikommt, würdige ich die nette Geste der Familie, vertraue aber doch eher dem Laden, der hoffentlich nach 30 Kilometern kommt. Keine 30 Minuten später hält ein LKW, ich signalisiere ihm, dass er weiterfahren kann, aber der Fahrer will noch nicht weiterfahren. Er steigt aus und reicht mir eine

Murghab (19)
Was für ein tolles Geschenk

Flasche Wasser und eine Packung mit 4 Streichhölzern. Nach Erreichen des Asphalts feiere ich das dieses wunderbare Geschenk mit doppelter Tütensuppe und echtem schwarzen heißen Kaffee – lecker!

 

 

Die Hochebene des Pamir besteht aus riesigen langgestreckten Tälern, die karg und trocken oder saftig grün sein können. Man muss sich hier mal wieder kräftiger an den wenigen Wasserquellen eindecken. Läden gibt es nicht, ich trage Essen für mehrere Tage mit mir.

Die Hochebene gehört hier übrigens den Murmeltieren, nette Tierchen mit sicherlich sehr flauschigem Fell. Mit denen würde ich gerne Freundschaft schließen. Leider haben sie Angst vor mir (generell vor Radfahrern, wie ich gehört habe), pfeifen immer ganz schrill, wenn ich komme und verkriechen sich dann in ihren Höhlen. Ein paar Fotos kann ich trotzdem machen. Es gibt auch erste Jurten, und ich sehe Yaks und Sehnsucht nach vergorener Stutenmilch und Yakjoghurt kommt auf. Am Abend stelle ich mein Zelt neben dem Zelt eines jungen Engländers auf, um am nächsten Morgen gemeinsam nach Murghab zu radeln.


Kaffee am Morgen wurde fast wieder zum Problem, weil ich all die Wasservorräte in der Nacht aufgebraucht habe. Ein LKW-Fahrer auf dem Weg nach China ist jedoch gnädig, er hält, als ich am Straßenrand kräftig mit meiner Wasserflasche winke und füllt diese bis zum Rand auf. So geht es gestärkt nach Murghab. Der Rückenwind bläst uns in das Tal, gegen mittag haben wir schon 72 km absolviert. Wunderbares Wetter, tolle Straßen!

Wir checken ein im Pamir Hotel – das machen alle Radfahrer so und lassen uns verköstigen mit traditionellen Speisen – so schlecht die die zentralasiatische Küche doch gar nicht! Ich beschließe, hier einen weiteren Ruhetag einzulegen – eigentlich hatte ich 6 Tage bis Murghab veranschlagt, jetzt bin ich schon nach 3einhalb Tagen da. Am Ruhetag kaufe ich mir eine Yakwolltasche und werte die „Pamir-Highway-Playlist“ aus. Meine Top-5: 1. Guaranteed (Eddie Vedder), 2. Weit Hinaus (Feine Sahne Fischfilet), 3. One (Johnnie Cash), 4. Bella Ciao (Hannes Wader), 5. La fin de leur monde (Iam)

 

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