Wüstenstraße

Nach Kashgar hatte ich erst mal keine gute Idee, wie es weiter gehen sollte. Ich denke ich bin langsam gesättigt mit neuen Erlebnissen.  Habe mich dann aber doch dafür entschieden, ein wenig Wüstenluft zu schnuppern, die Taklamakan ist so nah, wäre doch schade, wenn ich das nicht nutze. Entlang der südlichen Route um die Taklamakanwüste gibt es wohl mindestens alle 70km einen Ort. Perfekt also zum Wasser tanken, dass ich stressfrei an der großen Sandwüste fahren kann. Die südliche Straße kommt der Wüste recht nahe, bleibt aber meist doch in respektvoller Entfernung. Was ich nicht wusste ist, dass es in dieser Jahreszeit auch in der Wüste gelegentlich regnet, und überwiegend bewölkt ist, zusätzlich sind starke Winde häufig, die den Sand in die Luft wirbeln und die Sicht doch einschränken.

Zu Beginn kurz nach Kashgar war die Sicht noch klar. Wüstenabschnitte und Oasenstädte/-dörfer wechselten sich harmonisch ab und es wurde nicht langweilig zu radeln. Nach einigen Tagen wurde es allerdings dunkler, und den ganzen Tag über herrschte ein gelbes bis bräunliches Morgendämmerungslicht (vielleicht wie an einem herbstlichen Regentag in Deutschland, vielleicht aber auch unvergleichbar), keine Sonne und kein blauer Himmel waren zu sehen. Und dann kamen die Winde, dass ich trotz düsterem Licht stets die Sonnenbrille getragen habe. Folge war der Staub überall, der mein Zelt, mein Fahrrad und die Blätter der sporadisch wachsenden Bäume blassgrün werden lies, sich in meinen Radtaschen festsetzte, die Haare auf den Unterarmen weiss färbte, und die Rosinen am Straßenrand nach Schmirgelpapier schmecken ließ. So schmutzig habe ich mich längere Zeit nicht mehr gefühlt!

Immerhin, ich bin jetzt durch das Land der Uiguren gefahren, durch die Städte, die auch Marco Polo auf seiner ersten Reise bereist hat, und habe den chinesischen Bauboom in der Wüste bestaunen können (Städte , die noch in keiner Karte vermerkt sind), dazu habe ich frei lebende Kamele fotografiert und mich durch alle chinesischen Tütensuppen durchprobiert. Aber noch mal muss nicht sein…

Hinter Hotan und nach 700km radeln bin ich dann doch in einen Bus gestiegen und noch weitere 800km dieser Öde aus Busfenstern heraus betrachtet. Morgen schaue ich nach einem Bus, der mich noch mal in die Berge fährt.

 

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