Norddeutschland – noch mal eine Runde drehen

Von Klaipeda fahre ich mit der Fähre nach Kiel. Die 18 Stunden Fahrt sind so etwas wie eine verlängerte Nachtruhe bei einem sanftem Schaukeln. Unterbrochen wird diese nur durch das Buffet abends und morgens („All-you-can-eat“ macht heftige Bauchschmerzen, besonders wenn man „auf seine Kosten“ kommen möchte – dass ich immer noch so blöd bin).

Nach 2 tollen Tagen in Kiel mit den Geschwistern, Dönern und Bier an der Förde und im Biergarten fahre ich südwärts durch Schleswig Holstein und Niedersachsen in Richtung Osnabrück. In Norddeutschland grüßt man zu jeder Tageszeit mit „Moin“, und zwar grüßt jeder jeden. Das macht Spaß, und ich bin schnell mit Elan dabei, alle zu „Moinsen“, die mir entgegenkommen. Mir gefällt auch, dass mir die Holsteiner und Niedersachsen ständig zur Hilfe kommen, und den Weg erklären, selbst wenn ich nicht frage.

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Man ist überall Willkommen

Bekanntes wird hier in die Erinnerung gerufen, und Unbekanntes wirkt trotzdem so vertraut. Mein erstes Mal in Delmenhorst zum Beispiel – so habe ich es mir vorgestellt und so wie alles im Norden gefällt es mir wie immer und immer wieder aufs Neue.

Die Felder sind fast alle abgeerntet, so spät ist es schon im Jahr, trotzdem ist das Wetter wie für Radfahrer gemacht – nur die Nächte könnten ein kleines bisschen kälter sein. Aber da jammere ich auf höchster Stufe, immerhin regnet es nicht und die stetige steife Brise kühlt meinen Rücken. Die Straßen lassen zudem keine Ausreden zu, ich fahre jeden Tag weit über 100 Kilometer in Richtung der wärmenden Sonne.

Fährfahrten erlebe ich weiter als genussvolle Abwechslung und finde eine Elbfähre und eine Weserfähre als Alternative zu Brücken oder gar Tunneln. Die Elbfähre dauert fast eine Viertelstunde. An Bord wird Bockwurst mit Senf verkauft und ich sehe große Containerschiffe auf dem Weg in die weite Welt.


Nach zwei schönen Tagen mit meinem Vater bei Osnabrück fahre ich nach Osten weiter. Hinter Minden entdecke ich den Mittellandkanal als perfekte Fahrradroute von West nach Ost. Ruckelig sind die Schotterpisten auf beiden Seiten des Kanals zwar, aber entlang der Wasserstraße ist es gemütlicher und ich muss den Schiffen nicht ausweichen. Fröhlich spiele ich mit den Kähnen: die in meiner Richtung fahren oft in ihre Heimat nach Polen, Tschechien, Berlin und Hamburg und ich überhole sie immer und immer wieder; den Entgegenkommenden wünsche ich eine Gute Reise auf ihrem Weg nach Dortmund, Duisburg oder Amsterdam. Jedes Schiff hat einen Namen, meist sind es Frauennamen, doch eines heißt Hank und ich hätte so gern gewusst, wer sein Boot Hank getauft hat. Auf dem Mittellandkanal überqueren wir Weser, Leine und sogar die Elbe. An der Weserüberquerung war ich schon in einstelligem Alter auf einem Schulausflug. An der Elbe sind die Schleusen und Aufzüge für die Schiffe aber so groß dass ich in kindliches Staunen verfalle und das fotographieren vergesse.


Das „Wildcampen“ in Deutschland ist nicht mehr so entspannt wie in den anderen Ländern – dachte ich zuerst. Das tägliche Zeltaufbauen ist mir allerdings so vertraut, und das recht frühe Dunkelwerden gewährt zusätzlichen Sichtschutz vor Störern, dass die Nächte mir jeweils erholsamen Tiefschlaf gewährt haben. Und tatsächlich gibt es wunderschöne Plätze, die mich für jeweils eine Nacht und ein Frühstück beherbergt haben.


Der Elbe-Havel-Kanal als Fortsetzung des Mittellandkanals ist leider nicht mehr so radfahrerfreundlich, dass ich bald doch von der Wasserstraße abweiche. Für die letzte Nacht im Zelt auf dieser Reise finde ich einen der schönsten Plätze im Jerichower Land abseits der Straße auf einer großen Lichtung – der perfekte Platz zur Wildbeobachtung, wie ich meine. Leider lässt sich an diesem Abend und auch am nächsten Morgen keiner der vielen hier lebenden Wölfe blicken, aber Sonnenuntergang und Sonnenaufgang scheinen Portrait zu stehen für größere Gemälde. Am letzten Tag durch das Havelland, vorbei an den Seen bei der Stadt Brandenburg, Döbritzer Heide und Berlin Spandau. Und mit dem Rad bis vor die Haustür.

 

Reise durch das Baltikum – 2. Teil

Lettland ist ähnlich wie Estland nur sehr dünn besiedelt. Ich folge hinter Riga überwiegend der Küste und weiche für die Fahrt durch das Abava Tal in das Landesinnere ab, bevor ich wieder der Küste bis nach Litauen folge. In diesem wunderbaren Spätsommer kann ich mich gar nicht an den verschiedenen Grüntönen des Landes und den Blau von Himmel und Wasser sattsehen.

Strand und Meer

Landschaft und Orte

Vögel auf dem Weg in die Wärme

 

Litauen ist das 23. Land auf meiner Reise. Hier verbringe ich einen wunderschönen Tag, mache Rast an der einzigen Steilküste des Landes und übernachte wie immer am Meer.

Riga

Riga ist die Hauptstadt von Lettland, dem zweiten Land auf meiner Balkikum-Tour. Die Stadt empfängt mich mit wuderbarem strahlend blauem Himmel. Die Touristen haben die Stadt bereits gen Heimat verlassen und ich habe einen Schlafsaal im Hostel für mich allein.riga-1

Hier gebe ich meinen Knien 2 Tage Pause hier und bewege mich nur für das nötigste. In einem Café kann ich ein paar Schachpartien mit Einheimischen spielen. Auf dem riesigen Markt kaufe ich lokale Spezialitäten und habe leckere Brotzeiten mit Käse, Wurst, Honig, eingelegten Tomaten und Gurken. Natürlich fehlen Rigaer Sprotten und andere schwer zu identfizierende geräucherte Fischteile nicht.

Später besuche ich den „Magier von Riga“ an seinem Grab auf dem jüdischen Friedhof etwas außerhalb der Stadt. Das Grab ist eines unter vielen Tausend Gräbern, aber der ortskundige Friedhofsgärtner erlöst mich, als er mich planlos auf dem Gelände umherirren sieht. Wahrscheinlich bin ich nicht der erste Schach-Pilger in Riga.

 

Reise durch das Baltikum – 1. Teil

Hauptziel dieses Reisabschnittes war für mich, die Länder des Baltikum auf der Karte richtig zu benennen und die jeweilige Hauptstadt sicher und schnell aufzusagen. Einfacher als ursprünglich gedacht lerne ich so schnell (schon während der Zugfahrt nach Tallinn), dass ich mich schon bei Ankunft ganz auf das Genießen der Leckereien und der Schönheit dieser Landschaften konzentrieren kann.
Estland ist das erste Land für mich im Baltikum. Hauptstadt ist Tallinn, das Land hat ca. 1,3 Millionen Einwohner, von denen etwa die Hälfte in um um Tallinn lebt. Die Fläche entspricht ca. der Größe der Schweiz – Estland ist also sehr dünn besiedelt.

Die ersten zwei Nächte wohne ich bei Marie und ihrer Mutter als Warmshower-Gast (das ist Couchsurfing für Radfahrer). Das Haus lag etwas außerhalb von Tallinn, perfekte Cycling-Distance und eine Oase in den estnischen Wäldern, mit einem wundervollen Garten. Tagsüber besuche ich Tallinn und das nahe Umland. Abends werde ich mit Spezialitäten aus dem Garten verköstigt.

Tallinn:

Ich entscheide mich, am baltischen Meer (klingt viel schöner als „Ostsee“) entlang nach Süden zu fahren, über die estnischen Inseln Hiiumaa und Saaremaa. Das Wetter ist wunderbar zum Radeln (kein Regen) und die Bootstouren zu den Inseln sind eine zusätzliche Abwechslung. Ich radele durch endlose Wälder, malerische Küstenabschnitte, immer in absoluter Einsamkeit. Die Nächte verbringe ich jeweils im Zelt und direkt am Meer.

Ich entdeckte Estland für mich als

a) das Land der Ringelnattern – ständig schlängeln sie sich über die Straßen von Sumpfgebiet zu Sumpfgebiet und begeben sich leider dabei sehr oft in Gefahr, überfahren zu werden.

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b) das Land der Äpfel – die unter der Last der Früchte ächzenden Äste waren sicher dankbar, nachdem ich sie wiederholt um einige der Früchte erleichtert habe. Ich teste mich durch verschiedenste Sorten, und kann mich Tag für Tag an den wilden Apfelbäumen satt essen.

c) das Land der Pilze – manchmal komme ich im Pilzjagdfieber gar nicht zum Radeln, weil ich für das Risotto am Abend die besten Pilze sammeln will, dabei gibt es genug für hunderte leckerer Pilzpfannen.

Darüber hinaus nasche ich Preiselbeeren und Heidelbeeren als Snack zwischendurch, die Supermärkte statten mich mit dem aus, was hier nicht auf Bäumen oder Sträuchern wächst: Kefir, Kaffee und Schokolade.

Ein paar Stunden Moskau

Einen halben Tag Aufenthalt hatte ich in Moskau. Genug Zeit, um zur Moskwa zu radeln und dort bei schönem Spätsommerwetter auszuspannen, später dann durch den Gorki-Park zurück zum Bahnhof pünktlich für den Nachtzug nach Tallinn.