Ridern easy über Berg und Tal

Mittlerweile bin ich in Trabzon, wo ich mein Visum für den Iran bekommen möchte. Ich bin am Donnerstag nachmittag angekommen, kurz vor dem „langen Wochenende“, da freitags in Iran und samstags und sonntags in Trabzon in den Büros nicht gearbeitet wird. So hat auch das iranische Konsulat geschlossen und ich habe einige Tage in Trabzon, was auch ok ist. Auf dem Markt finde ich frischeste Milch (superlecker) und esse zum ersten Mal in der Türkei Moussaka.

Das Sümela-Kloster im Altindere-Nationalpark liegt auf 1300m Höhe und ist von Trabzon bequem mit dem Bus zu erreichen. Es wurde bereits um das Jahr 340 über 200m über dem Tal in den Fels gebaut. Die noch erhaltenen Gebäude des Klosters stammen aus dem 14. Jahrhundert. Das Kloster wird zur Zeit renoviert, aber Fotos von außen waren möglich. Und der Park ist wunderschön und ruhig.

Die vergangen Tage auf dem Rad waren abwechslungreich, in Amasra konnte ich auftanken, und das Rad sich ein wenig ausruhen lassen. Auch aus Respekt vor dem Höhenprofil der nächsten Tage: 10547 Höhenmeter auf 321 km bis Sinop, erst danach (weitere 450km bis Trabzon) wird es flacher. Gutes Übungsterrain für das, was vielleicht noch kommt.

höhenmeter
Höhenprofil der Küstenstraße von Amasra nach Sinop

Entlang der Küstenstraße gab es kaum Verkehr, bald hatte ich die einen halben Tag vor mir losgereisten Münchener Verena und Schwafi eingeholt und wir erkämpften die Hügel entlang der Küste wieder gemeinsam. Am zweiten Tag gesellte sich ein junger Schweizer, Luka, dazu und wir waren wieder zu viert. Nach Sinop wurde die Straße breiter, und die Hügel flacher, dass man länger fahren konnte, einmal sogar eine Tagesetappe von fast 160km (Brompton-Rekord?).

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Auf nach Asien

Am 6.4. habe ich nach 5 Tagen Istanbul die Fähre über den Bosporus genommen und einen letzten Blick auf den europäischen Teil der Stadt genossen. Das Knie zwickte zuerst noch ein wenig, aber mit Bandage und etwas höhergestelltem Sattel ging es von Tag zu Tag besser.

SchwarzesMeer
Über den Bosporus

Die Strecke auf der asiatischen Seite Istanbuls führte zuerst am Marmara-Meer entlang, sogar Radwege gab es auf den ersten 30 Kilometern durch die ewig große Stadt, und es werden weitere gebaut.

SchwarzesMeer (14)
Radwege entlang des Marmara-Meeres
SchwarzesMeer (1)
Bridge in Trouble over Water – Marmara-Meer bei Izmit

Ich traf kurz nach der Fähre 3 weitere Radfahrer, Verena und Schwafi aus Deutschland, und Daniel aus England, und wir fuhren für die nächsten Tage bei Sonnenschein gemeinsam Richtung Schwarzmeerküste.
Es ist mal wieder angenehm, gemeinsam zu fahren, vor allem fällt es viel leichter, in der Gruppe einen Zeltplatz zu suchen und das abendliche gemeinsame Kochen wird zum Ritual, das man bereits morgens beginnt zu planen. Obwohl die Hilfsbereitschaft der Menschen hier enorm ist, fragt man gemeinsam noch viel lieber, wo und ob man denn sein Zelt aufstellen darf. Jeder Zeltplatz war etwas besonderes, und oft gesellten sich Hunde und Katzen zu uns, die geschickt Mahlzeiten ergaunerten.


Am zweiten Tag verließen wir das Mittelmeer und waren für einen Tag bei mildem Wetter in den grünen Hügeln nach Norden unterwegs.


Die Schwarzmeerküste ist überwiegend felsig und schroff nur wenige flache Buchten mit Sand- oder Kiesstränden. Dem Radfahrer fällt allerdings vor allem eines auf: Die Küstenwege sind verdammt steil! Rasanten Abfahrten (neue Spitzengeschwindigkeit!) folgen ewige Anstiege. Am Ende eines langen Radl-Tages dann der erste Raki (teuer, Türkei hat extrem eine hohe Alkoholsteuer) und ein Sprung in das Schwarzmeerwasser (arschkalt), das allein schon eine Reise wert!

Entlang der Schwarzmeerküstenstraße

 

In Amasra lege ich einen Tag Pause ein, nach einer Frühstückssuppe beobachte ich die tiefen und dunklen wandernden Wolken und schaue dem Regen beim regnen zu. Das ist aus dem Fenster einer Pension so wunderschön.

Byzanz Konstantinopel Istanbul

Nachtbus von Sofia nach Istanbul, das klingt erst mal entspannt – nach Ruhe und Erholung. Aber es gab wieder Grenzkontrollen (Pass, Scannen des Gepäcks) in der tiefsten Nacht; die fehlende Verstellbarkeit der Sitze aus der senkrechten Sitzposition gab dem Nachtschlaf den Rest und ich war bei Ankunft auf dem Busbahnhof in Istanbul ziemlich gerädert. Das schlechte Essen am Busbahnhof von Istanbul ist eigentlich bekannt, das hatte ich leider kurz vergessen. Dementsprechend war auch die obligatorische Işkembe çorbasi (Pansensuppe). Wird nachgeholt!
Die Metro zum Taksim war kein Problem und meine Unterkunft habe ich rasch gefunden. GPS & OpenStreetMap arbeiten dann doch manchmal zuverlässig.

Taksim
In Beyoğlu gibt es alte Gründerzeitbauten, Dönerbuden an jeder Ecke, Straßenkünstler, Hipster, komische Läden mit bunten Kleidern – trotzdem erahne ich schon den Bosporus und trinke Kahvesi und schmecke mich durch das doch ganz andere Streetfood.

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Ich wohne bei einer tadschikischen Familie, die sich durch Airbnb ihre Wohnung finanziert. Wir teilen uns 1,5 Zimmer. Wenn ich mich nicht in die Stadt verziehe, werde ich mit tadschikischem Plov und Süßspeisen verköstigt. So viel habe ich in den vergangenen Monaten über Taksim und Gezi Park Proteste gelesen, leider erfahre ich darüber bisher nicht mehr.
Obligatorische Besuche der Hagia Sophia und der blauen Moschee im alten Istanbul sind wunderbar, der Blick auf den Bosporus macht sehnsüchtig nach Ferne und Weite. Der große Basar ist eher enttäuschend. Ich hatte orientalische Düfte und unbekannte Gewürze erwartet, und es gab eigentlich nur Teppiche und dann noch das, was jede Shoppingmall zu bieten hat. Die Straßenmärkte und Fischmärkte sind interessanter.

Ich lese ein Buch von Orhan Pamuk und beschließe trotz weiter bestehendem Fernweh, noch ein paar Tage zu bleiben, Das Knie zwickt immer noch. Außerdem kann ich mich hier gemütlich um das Iranvisum kümmern, das wohl doch nicht ganz so einfach ist, wie ursprünglich gedacht.

Speisen und Getränke

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Hagia Sophia und die Sultan Ahmed Moschee

Bosporus und goldenes Horn